
Ein Gottesdienst für alle?
02 Mai 2009Auch wenn die Gedanken nicht neu sind, vielmehr geradezu schon recht alt, und ich mich daher kaum traue sie auszusprechen, weil sie schon so lange in meinem Kopf kreisen und ich sie längst zum alten Eisen gelegt habe, müssen sie jetzt doch mal raus. Einmal, damit ich mal wieder was zum Bloggen habe, und zum anderen, weil ich feststelle, dass es Menschen gibt, für die diese Gedanken scheinbar ganz neuartig sind und sie die Sache „so ja noch nie betrachtet haben …“
Ich war vor ein paar Tagen in einer Diskussion beteiligt, bei der es neben Themen wie Zielgruppen und gutbürgerlichen Gemeinden eben auch darum ging, in wie weit sich der sonntägliche Gottesdienst dafür eignet Kriterium der Gemeindezugehörigkeit zu sein.
Wenn man nun nicht der Typ ist, der Gemeinschaft empfindet, wenn er mit mehreren hundert Menschen still in einem großen Raum sitzt. Wenn man nicht der Typ ist, der bei einem Frontalvortrag eines mehr oder weniger begabten Redners die erhellenden Einsichten hat oder zutiefst ergriffen ist. Wenn man nicht der Typ ist, bei dem die jahrhundertealten Antworten zufällig auf seine aktuellen Fragen passen. Wenn man mit seinem Musikgeschmack eben ganz anders ist, als hunderte andere, die scheinbar alle auf die gleiche Musik stehen oder wenn man Musik manchmal lieber einfach hört statt sie selber zu machen (Wie empfinden eigentlich Leute diesen Singzwang, für die Singen nicht zu ihren größten Begabungen zählt).
Wenn man sich statt dessen lieber mit ein paar Leuten trifft, mit ihnen redet, diskutiert, isst und trinkt, und feststellt, dass Glaube auch direkt etwas mit dem eigenen ganz alltäglichen Leben zu tun hat, dann hat man ein Problem, wenn man zu einer Gemeinde gehören möchte (zumindest in der Tradition in der ich groß geworden bin).
Denn dann wird Gemeinde dadurch definiert, dass sich alle sonntagmorgens in einem Raum treffen, gemeinsam einem Vortrag zuhören. Lieder singen die den einen gefallen und den anderen nicht (wenn man Glück hat gibt es einen Kompromiss, dass für jeden eins dabei ist, was ihm gefällt, wenn man Pech hat eben nicht). Und sich zu einem Bekenntnis stellen, das auf Anfragen antwortet, die vor hunderten von Jahren aktuell waren.
Dann ist es ganz schnell nicht mehr so wichtig, dass man das tut was man glaubt, sondern dass man zur richtigen Zeit am richtigen Ort war und vor allem dabei gesehen wurde. Und ich finde, dass Nachfolger Jesu sich eben nicht dadurch auszeichnen und definieren sollten, dass sie eine bestimmte Veranstaltungskultur haben sondern dass sie ihrem Vorbild folgen. Wenn sich dann manche zusätzlich treffen wollen um zu singen, etwas zu hören und anschließend zuhause den Sonntagsbraten zu essen, dann ist das ok, aber dann ist das IMHO nicht Kennzeichen von Gemeinde sondern Kultur.
Ich finde es seltsam, warum man, wenn man eine andere Kultur hat, sich entweder eine zur Kultur passende Gemeinden suchen oder seine Kultur wechseln muss. Wie wäre es denn mal mit Gemeinden die größer denken und statt sich über ihre Kultur über darüber definieren, dass Menschen zusammengehören, weil sie in ihren Kulturen die gleichen Ziele und Ideen teilen, ohne dass sie zwanghaft versuchen eine gemeinsame Mischkultur aufzubauen, bei der hinterher die meisten doch nicht zufrieden sind. Wie wäre es, wenn wir bei unserer jeweiligen Eigenheit, den anderen annehmen würden wie er ist, ihn respektieren und dann jeder als Teil eines Ganzen doch seinen Glauben so umsetzt wie es für ihn relevant ist.
Ich bin der Meinung, dass Gemeinde größer sein sollte in dem was sie eint und dabei die Unterschiede ernst nehmen, wo sich die Einzelnen unterscheiden. Und um zu einer Antwort zu kommen:
Ja, ein Gottesdienst für alle, indem jeder seinen Glauben lebt und umsetzt (vgl. Röm 12,1).
Nein, wenn Gottesdienst heißt, dass alle zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort sein müssen.
Solange Schweigen und dann gleich solch eine Frage.Ich bin auf die Antworten gespannt.
Eira
Endlich bloggt er wieder.
Vielleicht komme ich morgen auch mal dazu deinen Beitrag zu lesen.