Archiv für Mai 2009

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Ich hasse es verarscht zu werden

19 Mai 2009

War letzte Woche auf Tagung.Dabei fiel mir mal wieder etwas auf, was ich schon öfter festgestellt habe: Ich mag es nicht , wenn ich verarscht werde. Damit werde ich wohl auch nicht allein sein. Wer wird schon gerne hinters Licht geführt. Das Problem ist nur,dass die Verarsche wohl im Regelfall nicht absichtlich oder bewusst geschieht.

Ein kleine Beispiel: Da redet der Referent darüber, sich immer wieder mal Phasen der Ruhe und Stille zu nehmen. Ja, würd ich jetzt sagen, recht hat er. Finde ich auch. Aber dann fügt er, wohl um dieser Aussage Autorität zu verleihen, ein Beispiel aus der Bibel an. Markus 6,32: „Sie fuhren also mit einem Boot an einen einsamen Ort, um allein zu sein.“ Also Jesus hatte vor, sich mit den Jüngern zurückzuziehen. Ruhe zu finden. Und ja, Jesus hattes das vor. Aber es gelang ihm nicht. Direkt im nächsten Vers heißt es: „Da kamen die Leute aus allen umliegenden Ortschaften angelaufen und waren so auf dem Landweg noch vor ihnen dort.“ Also Pustekuchen, von wegen Ruhe. Das Vorhaben „Ruhe“ wird zwar angestrebt, aber es gelingt letztlich nicht.

Das ist der Punkt, wo ich mich frage: Sagt mir diese Stelle nicht eher was darüber, wie ich mit Leuten umgehe, die meine Ruhe stören? Ich finde es klemmt etwas. So ganz passt das Bild nicht.

Aber es geht noch weiter: Da gebraucht der Referent dann ein griechisches Wort, um etwas über Jesus auszusagen. Da vermutet man natürlich, dass das irgendwo in der Bibel einen Vers gibt, wo Jesus mit diesem Begriff genannt wird. Komisch nur, dass ich das so noch nie gehört habe. Aber gut, Allwissenheit ist etwas, von dem ich weit entfernt bin. Also mal nachgeschlagen. Und raus kommt, weder ich noch andere können dieses Wort im Neuen Testament überhaupt finden. Also nicht, dass es nicht auf Jesus angewendet wird, es kommt überhaupt nicht vor.

Da komme ich mir verarscht vor. Und dann merke ich, wie ich anfange den Referenten nicht ernst zu nehmen. Klar, er hat gute Dinge gesagt. Das ist es nicht. Aber dadurch, dass er unsauber argumentiert, wo es doch zumindest für den ersten Fall mit der Stille bessere Beipiele gegeben hätte, Mt 14,22f zum Beispiel. Da ist Jesus wirklich allein und betet. Immerhin, der angeführte Vers hatte immerhin etwas mit dem Thema zu tun, und zeigte, dass auch der Rückzug in die Stille Jesus wichtig war.

Aber es geht mir immer wieder mal so, dass ich Leuten zuhöre und merke: Da passt doch was nicht. Die sagen gute Dinge und dann versuchen sie es irgendwie noch geistlich zu belegen. Und dabei passiert es dann öfter, dass sie all das Gute, was sie gesagt haben, wieder kaputt machen. Weil sie einfach ungeschickt oder unsauber argumentieren. Beispiele bringen, die nicht wirklich passen.

Ja, ich kann versuchen reflektiert daran zu gehen. Zu differenzieren, was ist jetzt gut gewesen und was überhör ich lieber. Aber wäre es nicht schöner, wenn dass was wir sagen, Hand und Fuß hat und wir über die Dinge nachdenken könnten die es wert sind bedacht und getan zu werden.

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Ein Gottesdienst für alle?

02 Mai 2009

Auch wenn die Gedanken nicht neu sind, vielmehr geradezu schon recht alt, und ich mich daher kaum traue sie auszusprechen, weil sie schon so lange in meinem Kopf kreisen und ich sie längst zum alten Eisen gelegt habe, müssen sie jetzt doch mal raus. Einmal, damit ich mal wieder was zum Bloggen habe, und zum anderen, weil ich feststelle, dass es Menschen gibt, für die diese Gedanken scheinbar ganz neuartig sind und sie die Sache „so ja noch nie betrachtet haben …“

Ich war vor ein paar Tagen in einer Diskussion beteiligt, bei der es neben Themen wie Zielgruppen und gutbürgerlichen Gemeinden eben auch darum ging, in wie weit sich der sonntägliche Gottesdienst dafür eignet Kriterium der Gemeindezugehörigkeit zu sein.

Wenn man nun nicht der Typ ist, der Gemeinschaft empfindet, wenn er mit mehreren hundert Menschen still in einem großen Raum sitzt. Wenn man nicht der Typ ist, der bei einem Frontalvortrag eines mehr oder weniger begabten Redners die erhellenden Einsichten hat oder zutiefst ergriffen ist. Wenn man nicht der Typ ist, bei dem die jahrhundertealten Antworten zufällig auf seine aktuellen Fragen passen. Wenn man mit seinem Musikgeschmack eben ganz anders ist, als hunderte andere, die scheinbar alle auf die gleiche Musik stehen oder wenn man Musik manchmal lieber einfach hört statt sie selber zu machen (Wie empfinden eigentlich Leute diesen Singzwang, für die Singen nicht zu ihren größten Begabungen zählt).

Wenn man sich statt dessen lieber mit ein paar Leuten trifft, mit ihnen redet, diskutiert, isst und trinkt, und feststellt, dass Glaube auch direkt etwas mit dem eigenen ganz alltäglichen Leben zu tun hat, dann hat man ein Problem, wenn man zu einer Gemeinde gehören möchte (zumindest in der Tradition in der ich groß geworden bin).

Denn dann wird Gemeinde dadurch definiert, dass sich alle sonntagmorgens in einem Raum treffen, gemeinsam einem Vortrag zuhören. Lieder singen die den einen gefallen und den anderen nicht (wenn man Glück hat gibt es einen Kompromiss, dass für jeden eins dabei ist, was ihm gefällt, wenn man Pech hat eben nicht). Und sich zu einem Bekenntnis stellen, das auf Anfragen antwortet, die vor hunderten von Jahren aktuell waren.

Dann ist es ganz schnell nicht mehr so wichtig, dass man das tut was man glaubt, sondern dass man zur richtigen Zeit am richtigen Ort war und vor allem dabei gesehen wurde. Und ich finde, dass Nachfolger Jesu sich eben nicht dadurch auszeichnen und definieren sollten, dass sie eine bestimmte Veranstaltungskultur haben sondern dass sie ihrem Vorbild folgen. Wenn sich dann manche zusätzlich treffen wollen um zu singen, etwas zu hören und anschließend zuhause den Sonntagsbraten zu essen, dann ist das ok, aber dann ist das IMHO nicht Kennzeichen von Gemeinde sondern Kultur.

Ich finde es seltsam, warum man, wenn man eine andere Kultur hat, sich entweder eine zur Kultur passende Gemeinden suchen oder seine Kultur wechseln muss. Wie wäre es denn mal mit Gemeinden die größer denken und statt sich über ihre Kultur über darüber definieren, dass Menschen zusammengehören, weil sie in ihren Kulturen die gleichen Ziele und Ideen teilen, ohne dass sie zwanghaft versuchen eine gemeinsame Mischkultur aufzubauen, bei der hinterher die meisten doch nicht zufrieden sind. Wie wäre es, wenn wir bei unserer jeweiligen Eigenheit, den anderen annehmen würden wie er ist, ihn respektieren und dann jeder als Teil eines Ganzen doch seinen Glauben so umsetzt wie es für ihn relevant ist.

Ich bin der Meinung, dass Gemeinde größer sein sollte in dem was sie eint und dabei die Unterschiede ernst nehmen, wo sich die Einzelnen unterscheiden. Und um zu einer Antwort zu kommen:

Ja, ein Gottesdienst für alle, indem jeder seinen Glauben lebt und umsetzt (vgl. Röm 12,1).

Nein, wenn Gottesdienst heißt, dass alle zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort sein müssen.

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