War letzte Woche auf Tagung.Dabei fiel mir mal wieder etwas auf, was ich schon öfter festgestellt habe: Ich mag es nicht , wenn ich verarscht werde. Damit werde ich wohl auch nicht allein sein. Wer wird schon gerne hinters Licht geführt. Das Problem ist nur,dass die Verarsche wohl im Regelfall nicht absichtlich oder bewusst geschieht.
Ein kleine Beispiel: Da redet der Referent darüber, sich immer wieder mal Phasen der Ruhe und Stille zu nehmen. Ja, würd ich jetzt sagen, recht hat er. Finde ich auch. Aber dann fügt er, wohl um dieser Aussage Autorität zu verleihen, ein Beispiel aus der Bibel an. Markus 6,32: “Sie fuhren also mit einem Boot an einen einsamen Ort, um allein zu sein.” Also Jesus hatte vor, sich mit den Jüngern zurückzuziehen. Ruhe zu finden. Und ja, Jesus hattes das vor. Aber es gelang ihm nicht. Direkt im nächsten Vers heißt es: “Da kamen die Leute aus allen umliegenden Ortschaften angelaufen und waren so auf dem Landweg noch vor ihnen dort.” Also Pustekuchen, von wegen Ruhe. Das Vorhaben “Ruhe” wird zwar angestrebt, aber es gelingt letztlich nicht.
Das ist der Punkt, wo ich mich frage: Sagt mir diese Stelle nicht eher was darüber, wie ich mit Leuten umgehe, die meine Ruhe stören? Ich finde es klemmt etwas. So ganz passt das Bild nicht.
Aber es geht noch weiter: Da gebraucht der Referent dann ein griechisches Wort, um etwas über Jesus auszusagen. Da vermutet man natürlich, dass das irgendwo in der Bibel einen Vers gibt, wo Jesus mit diesem Begriff genannt wird. Komisch nur, dass ich das so noch nie gehört habe. Aber gut, Allwissenheit ist etwas, von dem ich weit entfernt bin. Also mal nachgeschlagen. Und raus kommt, weder ich noch andere können dieses Wort im Neuen Testament überhaupt finden. Also nicht, dass es nicht auf Jesus angewendet wird, es kommt überhaupt nicht vor.
Da komme ich mir verarscht vor. Und dann merke ich, wie ich anfange den Referenten nicht ernst zu nehmen. Klar, er hat gute Dinge gesagt. Das ist es nicht. Aber dadurch, dass er unsauber argumentiert, wo es doch zumindest für den ersten Fall mit der Stille bessere Beipiele gegeben hätte, Mt 14,22f zum Beispiel. Da ist Jesus wirklich allein und betet. Immerhin, der angeführte Vers hatte immerhin etwas mit dem Thema zu tun, und zeigte, dass auch der Rückzug in die Stille Jesus wichtig war.
Aber es geht mir immer wieder mal so, dass ich Leuten zuhöre und merke: Da passt doch was nicht. Die sagen gute Dinge und dann versuchen sie es irgendwie noch geistlich zu belegen. Und dabei passiert es dann öfter, dass sie all das Gute, was sie gesagt haben, wieder kaputt machen. Weil sie einfach ungeschickt oder unsauber argumentieren. Beispiele bringen, die nicht wirklich passen.
Ja, ich kann versuchen reflektiert daran zu gehen. Zu differenzieren, was ist jetzt gut gewesen und was überhör ich lieber. Aber wäre es nicht schöner, wenn dass was wir sagen, Hand und Fuß hat und wir über die Dinge nachdenken könnten die es wert sind bedacht und getan zu werden.




